Sony RX100 IV – Erfahrungsbericht

Sony RX100 IV – Erfahrungsbericht

Einleitung:

Seit circa einem halben Jahr begleitet mich eine Sony RX100M4 auf meinen Reisen und Ausflügen. Im folgenden Bericht schreibe ich über meine Meinung sowie die Erfahrungen die ich bisher mit dieser Kompaktkamera gemacht habe.

Mein Einstieg in die ernsthaft betriebene Fotografie war seinerzeit ein Nikon SLR System, das ich nach ein paar Jahren komplett gegen ein spiegelloses Fuji X – System ausgetauscht habe.

Durch den Wechsel auf Systemkameras wurde das Gewicht meiner Ausrüstung schon drastisch reduziert, jedoch gab es immer noch Tage an denen ich noch „leichter“ unterwegs sein wollte.

Eine weitere Überlegung war eine Kamera mit 4k Video Fähigkeit für den für diesen Sommer geplanten Island Trip zu finden.

Monate lang recherchierte ich welche Kamera denn meinen Ansprüchen am ehesten gerecht wurde. Am Ende blieb eigentlich nur die Sony RX 100 IV über. Auch wenn diese Kompaktkamera nicht unbedingt ein Schnäppchen ist, so erfüllt sie zumindest alle meine Anforderungen.

Technische Daten:

  • 21 Megapixel, 1 Zoll (13.2 x 8.8 mm) CMOS Bildsensor der neuesten Generation
  • 4k Videoaufnahme mit 30 Bildern pro Sekunde
  • Zeitlupenaufnahme mit bis zu 1000 Bildern pro Sekunde
  • 36 Megapixel elektronischer Sucher
  • Wifi, NFC
  • -45° bis 180° neigbarer Bildschirm
  • lichtstarkes 8.8-25.7mm (24-70mm KB-äquivalent) F1.8-2.8 Zeiss Objektiv
  • elektronischer Verschluss bis 1/32.000 sec
  • integrierter ND-Filter
  • eingebauter Blitz
  • 298 g leicht
  • 102 x 58 x 41 mm klein

Eine Liste aller Technischen Daten findet man auf der Sony Website.

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Handhabung:

Das Hauptargument für den Kauf war neben der Videofähigkeit die extrem kompakte Größe bei trotzdem vernünftiger Sensorgröße. Mit knapp unter 300 g fällt die Kamera kaum auf. Egal ob im Messenger, der Jackentasche oder der Gürteltasche meines Rucksacks, irgendwo findet die Kamera eigentlich immer Platz. Dass die Kamera nicht die selben Nehmerqualitäten wie meine X-T1 hat dürfte aufgrund des Formfaktors klar sein. Die Hülle dieser Kamera wird hauptsächlich von Aluminium und ein wenig Kunststoff dominiert, fühlt sich sehr wertig an und lässt sich mit normal großen Händen zielsicher bedienen. Leute mit Händen Marke „Baseballhandschuh“ werden aber vielleicht das eine oder andere mal daneben greifen und sollten den Formfaktor vor einem Kauf unbedingt auf Tauglichkeit testen.

Bedienelemente:

Die Bedienelemente der Kamera geben mir nach einiger Zeit des Konfigurierens so ziemlich auf jede benötigte Funktion direkten Zugriff.

An der Oberseite der Kamera befinden sich neben dem Auslöser mit umgebender Zoomwippe noch der Einschaltknopf sowie das Moduswahlrad. Dies ermöglicht den direkten Zugriff auf die einzelnen Automatiken, den manuellen Modus sowie den Videomodus. Über die HFR (High Frame Rate) kann auch die Zeitlupen Funktion direkt angewählt werden.

Am Objektiv befindet sich ein Ring der sich über das Menü konfigurieren lässt und so verschiedenste Parameter einstellen lässt. Direkt hinter dem Ein/Aus- Schalter befindet sich ein Hebel um den eingebauten Blitz auszuklappen.

An der Rückseite befindet sich neben dem 3 Zoll großen und 1,228,800 Bildpunkte zählenden Bildschirm eine Sony typisches Einstellrad mit zentralem Knopf. Das Einstellrad bietet durch Druck in die verschiedenen Richtungen direkten Zugang zu diversen Einstellungen. Zusätzlich befinden sich um das Rad 4 Tasten angeordnet die die Wiedergabe, das Menü, das Zurücksetzen bzw. Löschen steuern. Die vierte Taste lässt sich als Fn Taste frei konfigurieren. Über den genannten Bedienelementen befindet sich mehr oder weniger in die kleine Daumenauflage integriert ein Moviebutton, der je nach Konfiguration die Videoaufnahme auch ohne vorherigen Wechsel am Moduswahlrad startet.

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Auf der linken Seite der Kamera befindet sich noch der Hebel um den elektronischen Sucher, der im Gehäuse versenkt ist hochzufahren. Nachdem der Sucher ausgefahren ist muss zusätzlich noch per Hand der hintere Teil des Okulars nach hinten gezogen werden. Erst dann ist der Sucher einsatzbereit. Oben am Sucher befindet sich ein Hebel mit dem sich bei Bedarf der Dioptrien-Ausgleich einstellen lässt.

Zu Beginn brauchte ich einige Zeit um mir die Kamera nach meinen Wünschen einzurichten. Das doch sehr umfangreiche Menü macht es einem dabei nicht immer leicht sofort zu finden was man sucht, jedoch sind der Belegung der Funktionen nur wenig Grenzen gesetzt.

Meine Standard Settings:

für Fotografie

Da ich die meiste Zeit nur die Blende und den Fokus selbst bestimmen will ist meine RX100 meist wie folgt eingestellt:

  • Moduswahlrad: A
  • Einzelbild AF
  • Flexible Spot
  • ISO Auto (125-12800)
  • Bildqualität RAW & JPG

Die Blende stelle ich über den Objektivring ein. Die Belichtungskorrektur erreiche ich durch einen Druck auf das Einstellrad unten und anschließendes Drehen des selbigen. Ein Druck nach rechts lässt mich die Belichtungsmessung anpassen (Standard = Multi). Mir dem Druck nach rechts kann ich den Bildfolgemodus variieren (Standard = Single). Nach Oben lassen sich die einzelnen Displaymodi durchschalten und am wichtigsten mit einem Druck auf die Taste im Zentrum des Einstellrades kann ich direkt den Fokuspunkt verschieben als auch dessen Größe einstellen. Mit der C Taste lässt sich die Position des Fokusfeldes wieder in die Mitte zurücksetzen. Bei nicht aktiver Fokusfeldwahl kann ich mit der C Taste direkt den manuellen Fokus inklusive der Fokus Peaking Funktion anwählen. Die Fn Taste bringt mich direkt in das Schnellmenü das man sich nach eigenen Wünschen im Menü zusammenstellen kann. Dort befinden sich dann Funktionen die man nicht so oft braucht wie etwa der ND Filter oder das Picture Profile.

Sony RX100M4, 8.8mm, 1/3200 sec, f1.8, ISO125

Sony RX100M4, 8.8mm, 1/3200 sec, f1.8, ISO125 elektronischer Verschluss, Makro Fähigkeit, Morgentau auf Gräsern

Alleine an dieser kurzen Beschreibung meiner wichtigsten Standardsettings kann man schon erkennen wie komplex die Einstellungen dieser Kamera sind. Wer also die maximale Kontrolle über alle Parameter haben will, kann das auch, muss sich jedoch eine weile mit den ganzen Einstellungen beschäftigen. Auch wenn ich den Auto-Modus selbst nicht verwende, ist er doch sehr hilfreich, wenn man seine Kamera mal für das eine oder andere Foto weiterreicht und sie sich auch wie eine klassische Point & Shoot nutzen lässt.

Fotografie:

Mit Grund für den Kauf war die Bildqualität die ich mir von dieser Kamera erwarte. Auch wenn heutzutage für viele Zwecke ein Schnappschuss mit dem Smartphone ausreicht, wird dessen verhältnismäßig kleiner Sensor, sowie die aufs Notwendigste reduzierten Bedienelemente nicht immer das Ergebnis liefern das man sich erwartet.

Außerdem ist für mich ein Sucher, egal ob elektronisch oder optisch, zu einem „must-have“ geworden. Dass man bei den meisten Kompaktkameras keinen Sucher findet liegt in der Natur der Sache. Kompakt bedeutet eben, dass wenig Platz bleibt. Sony hat es aber geschafft in diesem schon sehr kleinen Gehäuse neben dem großen Sensor auch noch einen elektronischen Sucher unterzubringen. Und dieser Sucher ist großartig! Als Vergleich kann ich die elektronischen Sucher der Fujifilm X-E2 und X-T1 heranziehen. Klar kann der RX100 Sucher nicht mit der Größe einer X-T1 mithalten, aber er befindet sich meiner Meinung nach auf einem Level mit der X-E2, sowohl was Größe als auch Qualität angeht. Und das ist weit mehr als ich mir von einer Kamera dieser Größe erwartet habe.

Das Klappdisplay hat natürlich auch seinen Sinn. Wenn es darum geht untypische Blickwinkel oder eben über Kopf zu arbeiten ist man für diese Möglichkeiten dankbar. Ja, auch wenn es unbeliebt ist, aber um 180° geneigt lässt sich auch ein Selfie wunderbar mit einer Hand gestalten. Dann und wann muss auch sowas sein.

Objektiv und Sensor:

Das von Zeiss gefertigte 8.8-25.7mm Objektiv entspricht umgerechnet auf Kleinbild einer Brennweite von 24-70mm, also dem klassischen Standardzoom. Die Brennweite wird über die Wippe die den Auslöser umgibt gesteuert und über das Menü lassen sich zwei Zoom – Geschwindigkeiten einstellen. Die größte Blende ist mit  F1.8-2.8 angegeben, wobei f1.8 nur bei der weitesten Einstellung zur Verfügung steht. Die Naheinstellgrenze liegt bei 5cm was einem die Möglichkeit gibt ein wenig in die Makrowelt vorzustossen. Die maximale Blende verringert sich kontinuierlich und erreicht bei 32mm f2.8.

Sony RX100M4, 8.8mm, 1/1600 sec, f1.8, ISO125

Sony RX100M4, 8.8mm, 1/1600 sec, f1.8, ISO125

Die Bildqualität die das Objektiv über die gesamte Brennweite abliefert ist für mich absolut überzeugend. Fotografen die gerne Pixel für Pixel in einer 300% Ansicht vergleichen verweise ich auf die zahlreichen Vergleiche die sich im Internet finden. Die Bildschärfe ist, wie man es kennt, bei Offenblende im Randbereich ein wenig schlechter, jedoch nichts was einen stören würde. Ansonsten sind die Bilder eigentlich immer detailreich und Aufgrund der höheren Pixeldichte bei niedrigen ISOs nicht sehr weit von Fujis 16 MPx Xtrans II entfernt.

Im folgenden Bild habe ich die zwei ähnlichsten Fotos nebeneinander gelegt die ich finden konnte, um ein Gefühl für die Bildqualität zu bekommen. Links die Fujifilm X-T1 und rechts die Sony RX100 M4. Die X-T1 geht natürlich als Sieger aus diesem Vergleich hervor, jedoch ist deren Sensor für seine hohe Auflösung bekannt und außerdem um ein Vielfaches größer als der 1 Zoll große Sensor der RX100. Die unterschiedlichen ISOs ergeben sich durch einen Polfilter an der X-T1.

Links: Fujifilm X-T1, XF 16-55mm F2.8 R LM WR, 30.2mm, 1/450 sec, f5.6, ISO400 Rechts: Sony RX100M4, 25.7mm, 1/500 sec, f5.6, ISO125

Links: Fujifilm X-T1, XF 16-55mm F2.8 R LM WR, 30.2mm, 1/450 sec, f5.6, ISO400 Rechts: Sony RX100M4, 25.7mm, 1/500 sec, f5.6, ISO125 (Klick für Vollbild)

 

Der Sensor ist eine Neuentwicklung und wird von Sony als „weltweit erster mehrschichtiger CMOS-Sensor mit DRAM Chip“ beworben. Dass einiges an know-how darin steckt lassen die Spezifikationen bereits vermuten. 16 Bilder pro Sekunde sind theoretisch möglich und auch die 4K Video sowie die Zeitlupenfunktion erfordern einen Sensor der performant ist.

Der Autofokus arbeitet mit 25 Fokuspunkten die sich im Einzel AF in drei unterschiedlichen Größen anwählen lassen. Die Geschwindigkeit ist vor allem bei gutem Licht sehr gut und liefert auch bei weniger Licht terffsichere Ergebnisse. Den kontinuierlichen Autofokus habe ich bisher nicht getestet und dies werde ich, wenn ich dazu komme, an dieser Stelle nachholen.

Die Sensorempfindlichkeit liegt nativ bei 125-12800 und kann auf 80 bzw. 25600 erweitert werden. Ich überlasse bis auf Ausnahmen, der ISO-Automatik die Wahl, und dieser einen Spielraum bis ISO3200 bzw ISO6400. Da ich grundsätzlich kein Problem mit Bildrauschen habe sind vor allem die Ergebnisse bei ISO3200 absolut ausreichend.

Sony RX100M4, 16.39mm, 1/30 sec, f2.8, ISO1600

Sony RX100M4, 16.39mm, 1/30 sec, f2.8, ISO1600

Die ISO-Automatik der RX100 erledigt zusammen mit dem Bildstabilisator des Objektivs einen wirklich guten Job. Als langsamste Verschlusszeit nutze ich für die Automatik 1/30 sec und damit lassen sich auch in spärlich beleuchteten Situationen gute Ergebnisse erzielen.

Sony RX100M4, 8.8mm, 1/80 sec, f5.6, ISO125

Sony RX100M4, 8.8mm, 1/80 sec, f5.6, ISO125

 

Sony RX100M4, 13.72mm, 1/400 sec, f2.8, ISO125

Sony RX100M4, 13.72mm, 1/400 sec, f2.8, ISO125

 

Video:

Die Videofunktionalität der RX100 ist etwas mit dem man sich eine Weile beschäftigen sollte.

4K – wird mit 30p, 25p und 24p und bis 100Mbps unterstützt. Die maximale Aufnahmedauer ist auf 5 Minuten beschränkt. Nur der optische Bildstabilisator kann verwendet werden. Nach ersten Erfahrungen nutze ich 4K nun ausnahmslos mit der Kamera auf einem Stativ montiert. Die Beschränkung der Aufnahmedauer empfinde ich nicht wirklich als Problem, da ich meist sowieso nur kurze Clips aufnehme. Für einen Konzertmitschnitt ist das dann aber doch zu kurz.

Für Aufnahmen ohne Stativ verwende ich 1080p, wobei hier auch der elektronische Bildstabilisator zum Einsatz kommt. Dadurch verkleinert sich zwar der verwendete Sensorbereich deutlich, jedoch schafft man auch mit zittrigen Händen ruhige Aufnahmen.

Für 1080p stehen einem 120p oder 100p mit 100Mbps oder 60p, 50p, 30p, 25p und 24p mit 50Mbps zur Verfügung. Mit der 120p Aufnahme hat man also auch hochqualitatives Zeitlupen Material zur Verfügung.

Einen guten Eindruck über die Fähigkeiten des Bildstabilisators liefert die Website dpreview.com mit diesem Video.

Zwei High Frame Rate Beispiele in 1080p und 250 fps

 

 

Im nachfolgenden Video habe ich 4K aus der Hand und ein paar Zeitlupenaufnahmen kombiniert. Man merkt ich bin was Video angeht noch ein absoluter Anfänger.

 

Die Zeitlupenaufnahmen, HFR genannt, erfordern ein wenig Übung machen aber jede Menge Spass. Je höher die Anzahl der Bilder pro Sekunde, desto schlechter wird die Bildqualität. Beim Maximum von 1000 Bildern pro Sekunde muss man mit 720p auskommen. Ich verwende nach ein wenig experimentieren nun zumeist 120 oder 240, manchmal 480 Bilder pro Sekunde.

Für die Nachbearbeitung stehen mehrere Picture Profiles zur Verfügung. Auch S-log 2 ist dabei und ermöglicht einfaches Grading im Postprocessing.

Wer viel filmt, sollte jedoch einen Zusatzakku einpacken. Sowohl 4K als auch HFR sind recht energiehungrig. Wer will kann auch die praktische USB – Ladefunktion nutzen und seine Kamera per Powerbank länger am Leben halten.

Sony RX100M4, 25.53mm, 1/30 sec, f5.6, ISO125

Sony RX100M4, 25.53mm, 1/30 sec, f5.6, ISO125

Zusammenfassung:

Die Sony RX100 M4 ist ein kleines Kraftpaket, welches im handlichen Hosentaschenformat wenig Wünsche offen lässt. Fotografen die es bevorzugen die meisten Aufnahmeparameter manuell einzustellen, aber auch Videofilmer mit ein paar Ansprüchen an die Einstellmöglichkeiten werden zufrieden sein. Der Preis der Kamera schreckt ein wenig ab, und wer auf 4K und HFR verzichten kann sowie einen schlechter aufgelösten Sucher akzeptiert ist mit dem Vorgängermodell ebenso gut bedient.

Sobald wir aus Island zurück sind, werde ich hoffentlich jede Menge gutes Material aus der RX100 M4 zur Verfügung haben um diesen Eintrag zu erweitern…

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